Kurze Geschichten zum Lesen

Veröffentlichungen

Im Laufe der Zeit werde ich hier in unregelmäßigen Abständen Geschichten veröffentlichen. 

Viel Spaß beim Lesen!


Objekt Nr. 57

Objekt Nr. 57 erschien im Jahre 2006 im Heel Verlag, in der Jubiläumsausgabe der Space View.

Wie wäre es, wenn man ohne lernen zu müssen jedes Wissen auf Knopfdruck in sich aufnehmen könnte? Wenn man alles über Mathematik, Astronomie, Raumfahrttechnik und selbst altterranische Kirchengesänge wüsste?

Klingt doch gut! Dumm nur, wenn man dafür andere Dinge vergessen würde ...

 

Objekt Nr. 57Der Überlichtantrieb meines Raumschiffes fiel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aus. Nicht dass es mich überrascht hätte – mein interstellarer Kurierdienst lief schon seit Monaten so schlecht, dass ich mir noch nicht einmal die nötigsten Reparaturen leisten konnte -, doch ich hatte gehofft, die Jo Jones würde wenigstens diesen einen Flug noch überstehen.
Als kräuselnde Rauchfahnen aus der Antriebskonsole vor mir aufstiegen und ein halbes Dutzend roter Warnleuchten hektisch blinkend meine Aufmerksamkeit suchten, wusste ich, dass sich meine Hoffnung nicht erfüllen würde.
Die Sirenen lärmten, ebenso wie mein einziger Passagier, Kanzler Aurelio Sparks, den ich zusammen mit einigen versiegelten Kisten zur Erde bringen sollte.


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Der Mann in meiner Tasche

Diese Geschichte erschien 2005 in der Space View Nr. 5 im Heel Verlag. 
Welche Frau geht nicht gerne shoppen? Der Ehemann in dieser Geschichte hat eine ganz eigene Art seiner Frau diese Leidenschaft zu verbieten. Mit ungeahnten Folgen...

 

Der Mann in meiner TascheEigentlich hatte ich mir nur ein neues Kleid kaufen wollen, doch dann sah ich diese Designerschuhe. Sie raubten mir schlichtweg den Atem.

Ich stand vor dem Schaufenster einer Edelboutique und blickte begeistert auf die weinroten Stiefeletten, die perfekt zu meinem Abendkleid passen würden. Sie waren wunderschön – und unverschämt teuer. Ein weiterer Grund, warum ich sie haben musste. Ich zog die Kreditkarte meines Mannes aus der Tasche und betrat die Boutique.


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Edgar und die Schummelblume

Als meine Kinder im Vorschulalter waren, habe ich für sie Geschichten um Käfer, Libellen und anderes Getier geschrieben. Vielleicht haben Eure Kinder ja auch Spaß daran.


Wenn es etwas gab, dass Edgar Bienenstich noch weniger leiden konnte als Wasser, war es die Schule, - ganz besonders jetzt, wo das Jahr zu Ende ging und die Blätter der tausendjährigen Eiche sich braun färbten und zu Boden fielen. Allerdings hatte die schlechte Laune des Krabbelkäfers nichts mit der Farbe der Blätter zu tun, sondern damit, dass Lehrer Puck ihnen heute erzählt hatte, dass sie mit Ende ihres ersten Schuljahres auch Zensuren bekommen würden.
Zwar hatte Edgar keine Ahnung, was Zensuren waren, aber er stellte sich vor, dass sie irgendeine köstliche Wurzelsorte waren. Wenn der Krabbelkäfer an seine schulischen Leistungen dachte, würde er wahrscheinlich der Einzige sein, der am Tag der Zensuren mit leeren Magen nach Hause ging.
Edgar saß auf einen Stein, seinen Kopf in zwei seiner sechs Hände gestützt und grübelte, als Nick und Bernie hinter einem Farngewächs hervortraten.
„Hallo Edgar“, riefen Nick und Bernie.
„Stört mich nicht, ich mache Hausaufgaben“, antwortete der Krabbelkäfer.
„Hausaufgaben?“ Nick schüttelte ungläubig den Kopf. „Du hast doch noch nie Hausaufgaben gemacht.“

 

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