Warum ich keine Software von Adobe mehr kaufen werde

Stellt euch vor, Ihr kauft euch ein neues Auto. Nach ein paar Jahren möchtet Ihr es wieder verkaufen, aber der Fahrzeughersteller verweigert euch den Weiterverkauf mit der Begründung, dass das laut den AGBs nicht erlaubt wäre. Wenn Ihr es dennoch tut, würde das Fahrzeug nicht mehr zugelassen werden. Undenkbar? In der Automobilbranche schon, aber nicht bei Adobe.


Wie Ihr sicher bemerkt habt, schreibe ich Kurzgeschichten, außerdem fotografiere ich, kümmere mich um die Bildbearbeitung und erstelle Webseiten (so wie diese hier). Man könnte auch sagen, ich arbeite gerne kreativ. Deshalb habe ich mir schon vor ewigen Jahren die Bildbearbeitungssoftware Photoshop 5 Limited Edition gekauft.
Irgendwann reichte mir diese abgespeckte Version aber nicht mehr aus und ich rief beim Kundendienst von Adobe an und fragte nach, ob ich auf das damals aktuelle CS2 upgraden könne. Telefonisch versicherte mir der Mitarbeiter, dass das kein Problem wäre, ich aber zum Aktivieren der Software ein so genanntes  "Unlocking" durchführen müsste.
(Installiert man ein Upgrade, schaut die Software auf den Festplatten nach, ob eine Vorgängerversion installiert ist, oder in einem der DVD-Laufwerke liegt. Dieses geht aber erst ab Version 6.5. Bei älteren Versionen muss das Upgrade telefonisch aktiviert werden.)

So nutzte ich ein paar Jahre lang Photoshop CS2, bis mir auch diese Softwareversion nicht mehr ausreichte und ich mir die Creative Suite CS4 als kommerzielle Vollversion kaufte. Als guter Kunde registrierte ich natürlich meine Software, so wie auch die Versionen zuvor.
Von da an verstaubte mein altes Photoshop CS2.  Vor einiger Zeit kam ich dann auf die absonderliche Idee, diese Version verkaufen zu wollen. Da mich Adobe schon mehrmals unangenehm überrascht hatte, rief ich vor dem Verkauf beim Kundendienst an und fragte nach, ob es Probleme bei der Lizenzübertragung und der erneuten Aktivierung geben würde. Telefonisch und per Mail versicherte mir der Kundendienst, dass es mit der Software keine Probleme geben würde.
Leichtgläubig wie ich bin versteigerte ich meine 5er Version zusammen mit  dem Upgrade CS2 bei Ebay. Der Kunde zahlte brav, ich schickte die Software raus und füllte das Formular zur Lizenzübertragung aus und mailte es an Adobe. Und dann wartete ich.

Als nach einiger Zeit immer noch keine Reaktion erfolgte, schickte ich eine Mail an den Kundensupport. Die Antwort haute mich fast um! Nun hieß es plötzlich, ich dürfte die Software nicht weiterverkaufen und man würde auf keinen Fall einer Lizenzübertragung zustimmen. Das fiel denen jetzt ein, nachdem ich das Geld vom Kunden und er die Software hatte.
Sofort griff ich zum Telefon. Der Kundendienst von Adobe und ich waren noch nie die besten Freunde gewesen. Jedes Mal, wenn ich dort anrufen musste, blieb einer von uns beiden frustriert und genervt zurück. Und das war meistens ich. Nicht das die Mitarbeiter nicht freundlich gewesen wären, ganz im Gegenteil! Sie sind gut geschult und wissen, wie man mit genervten Kunden umgeht. Einigen von ihnen unterstelle ich sogar, dass sie mir wirklich hatten helfen wollen, nur bei dem Vorsatz blieb es dann auch. So auch jetzt. Ich rief also an, schilderte mein Problem und bat um die Durchführung der Lizenzübertragung. 
Ein Mitarbeiter erklärte mir freundlich aber bestimmt, dass bei einer Übertragung der Lizenz auch alle zuvor im Besitz des Kunden befindlichen Versionen dieses Produktes übertragen werden müssten. Das heißt, dass ich das CS2-Upgrade nur zusammen mit Photoshop 5 LE verkaufen dürfte. Ich erklärte ihm, jetzt schon ein wenig unfreundlicher, dass ich doch genau dieses getan hatte. Es gab nur einen Käufer und der hat beide Programme von mir ersteigert. Daraufhin antwortete der Mitarbeiter, dass das in meinem Fall auch keine Rolle spielen würde, weil mir Adobe nie das Upgrade von Photoshop 5 LE auf CS2 hätte erlauben dürfen. Man hätte damals einen Fehler gemacht: Die Version 5 LE sein nämlich nicht Upgrade fähig. Deshalb würde man auch keiner Lizenzübertragung zustimmen. Mein Einwand, dass es doch nicht meine Schuld sei, wenn Adobe einen Fehler gemacht hat, wurde ebenso ignoriert, wie meine Anmerkung, dass ich zuvor telefonisch und schriftlich andere Aussagen erhalten hatte. Der Mitarbeiter blieb stur: Ein Upgrade von Photoshop 5 LE auf CS2 ginge nicht!
Zähneknirschend gab ich nach und sagte, dass ich dann wohl oder übel von dem Verkauf zurücktreten müsse und bei einer neuen Auktion nur das Upgrade CS2 ohne die 5er Version versteigern würde.
Aber nein, sagte der Mitarbeiter, das ginge doch auch nicht! Ich dürfte das Upgrade nur zusammen mit der Vorversion verkaufen. Schließlich sei das CS2-Upgrade ja schon mit der 5er Version aktiviert worden.
Aha, ich darf die Photoshop Version 5 LE also nur zusammen mit dem Upgrade CS2 verkaufen, das darf ich aber auch nicht, weil die Version 5 LE ja nicht Upgrade fähig ist. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich über diesen Schildbürgerstreich lachen, aber dazu war die Software zu teuer. Da ist man ein ehrlicher Kunde, kauft für viel Geld Originalsoftware, anstatt sich im Netz zu bedienen und wird dann so von dem Hersteller behandelt.
Abschließend noch eine Bemerkung: Da ich gerne fotografiere fallen entsprechend viele Fotos an. Ich habe deshalb schon lange ein Fotoverwaltungsprogramm gesucht. Eigentlich war klar, dass ich mir Adobe Lightroom 4 kaufen würde, doch nach diesem Ärger werde ich denen nie wieder einen Cent zukommen lassen. Auch wenn mein Fall sicher ein Einzelfall ist, behandelt man so nicht seine zahlenden Kunden. Ich jedenfalls bin von Adobe bedient! Es gibt ja noch andere Hersteller guter Software.
Übrigens, mein Photoshop CS2 Upgrade und die 5er Version stehen jetzt wieder im Regal auf dem Dachboden und verstauben.

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